Deutschland Kick-off für New Urban Progress: Das digitale Urban Forum

Gemeinsam eine Vision für die Zukunft deutscher Städte entwickeln

Metropolen sind Projektionsflächen gesellschaftlicher Phänomene und prägen sowohl in den USA als auch in Europa immer häufiger politische Diskurse auf lokaler und nationaler Ebene. Hier setzt das Projekt New Urban Progress an und lässt eine Plattform für progressive Politik in urbanen Räumen entstehen. Im März startete das Projekt bereits in Washington D.C. mit einer Diskussionsveranstaltung zu Zukunftsthemen der Stadtentwicklung aus amerikanischer Sicht.

Mit dem Urban Forum fand im Mai nun der deutsche Auftakt des Projektes statt. In einer dreiteiligen Webinar-Reihe reflektierten deutsche Experten und Expertinnen die Zukunft der Städte im Kontext sozialer und technologischer Veränderungen der Gesellschaft. Die Gastredner Wolfgang Teubner, Gesine Schwan und Cordelia Polinna starteten die Veranstaltungssessions mit Impulsen zu den Themen inklusives Wachstum, vernetzte Politikgestaltung und soziale Mobilität. Die Veranstaltungen wurden interaktiv gestaltet: Nach den Impulsvorträgen teilten Teilnehmende ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen in einer großen Diskussionsrunde, um dann in Kleingruppen zentrale Herausforderungen und Lösungsansätze zu erarbeiten.

 

1. Session: Städte für inklusives Wachstum und nachhaltige Innovation
Impulsvortrag: Wolfgang Teubner, Regionaldirektor Europa ICLEI - Local Governments for Sustainability

Wie können Städte und Unternehmen Wachstum und Innovation fördern? Durch welche Formen der Arbeit und des Unternehmertums können Städte in ihrer Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit gestärkt werden? Welche Rolle spielt hierbei der Staat?

Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung muss soziale und ökologische Faktoren berücksichtigen, um auch gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen. Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft können eine solche nachhaltige Wirtschaftsentwicklung besonders dann integriert umsetzen, wenn sie gemeinsame Strategien erarbeiten und verfolgen. Hierfür wesentlich sind gezielte Begegnungen unterschiedlicher Stakeholder, da durch diese Vertrauen aufgebaut und eine gemeinsame Sprache herausgebildet wird. Beispielsweise ist im Kontext der Digitalisierung die Schaffung neuer oder Anpassung auslaufender Arbeitsplätze für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung unabdingbar. Hier können lokale Akteure gemeinsam wirken: Die Standortattraktivität einer Stadt kann zum Beispiel durch Bestandsunternehmen, durch Subventionen oder auch durch die kommunale Bereitstellung attraktiven Wohn- und Lebensraums erhöht werden. Eine Win-win-Situation entsteht dann, wenn technologische Innovationen lokal für gesellschaftliche Innovationen genutzt werden und damit die Lebensqualität erhöht wird. Energiegemeinschaften ermöglichen beispielsweise eine günstige und saubere lokale Energieversorgung und setzen Speicherkapazitäten und Lösungen zur effektiven Verteilung lokal produzierter Energie voraus.

 

2. Session: Städte als Pioniere einer Politikgestaltung in Netzwerken
Impulsvortrag: Prof. Dr. Gesine Schwan,
Präsidentin Humboldt-Viadrina Governance Platform

Durch welche demokratischen Beteiligungsprozesse können Städte gerechter, effizienter und wirkungsvoller für Bürger und Bürgerinnen gestaltet werden? Welche Akteure prägen die gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen von Morgen und welche Formen des Austausches brauchen wir dafür?

In welcher Form Zivilgesellschaft und Wirtschaft an der politischen Entscheidungsfindung beteiligt werden, muss unter Berücksichtigung bereits existierender demokratischer Strukturen kontinuierlich ausgehandelt werden. Die Teilhabeerwartungen der Akteure spielen dabei ebenso eine Rolle, wie die zu erwartenden positiven gesellschaftlichen Ergebnisse und Auswirkungen.
Eine in Netzwerken organisierte Politikgestaltung ist abhängig von einer breiten Beteiligung der Zivilgesellschaft. Politik und Verwaltung müssen diese befürworten und die notwendigen finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen aufwenden. Planungsprozesse müssen von Beginn an adaptiv gestaltet sein. Die bereits existierende Bandbreite von Beteiligungsformaten sollte auf ihre zeitliche und räumliche Erreichbarkeit hin überprüft und abgestimmt werden, um effektiv breite Bevölkerungsteile einzubeziehen. Beispielsweise eignen sich dialogbasierte Beteiligungsformate zur gemeinsamen Projektplanung. Auch digitale Formate sind vor allem in Kombination mit Offline-Prozessen effektiv.

 

3. Session: Städte als Motoren nachhaltiger Entwicklung und sozialer Mobilität
Impulsvortrag: Dr. Cordelia Polinna, geschäftsführende Gesellschafterin Urban Catalyst

Welche Konzepte aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft können wir in urbanen Räumen anwenden, um Chancengleichheit und soziale Mobilität zu fördern und den ökologischen Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu begegnen?

Gesellschaftliche und ökologische Veränderungen wie der Klimawandel oder die Digitalisierung haben eine Anpassung in den städtischen Infrastrukturen und Dienstleistungen zur Folge, die gleichzeitig Verteilungsgerechtigkeit und Chancengleichheit befördern können. Diese Veränderungsprozesse zielführend zu steuern, ist zu großem Teil städtische Aufgabe. Hier können vor allem Verwaltungen als Change Manager fungieren. Die Steuerung ist einerseits von den zur Verfügung stehenden lokalen Ressourcen abhängig. Zum Beispiel sind öffentliche Flächen, die zur Bereitstellung kommunaler Dienstleistungen oder Infrastrukturen unabdingbar sind, nur begrenzt verfügbar. Mithilfe von flexiblen Raumnutzungen oder dichter Bebauung können Flächen effizienter genutzt werden. So können sie beispielsweise zur besseren Erreichbarkeit von Bildungseinrichtungen beitragen oder als Naherholungsflächen dienen. Hier gilt Verwaltungsstrukturen agiler zu gestalten, effektive Schnittstellen zwischen öffentlichem Sektor, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu schaffen und dabei finanzielle Ressourcen zu bündeln, um gesellschaftlichen Interessen gerecht zu werden. Auch im Bereich Mobilität können soziale, ökologische und wirtschaftliche Synergien genutzt werden. Räume zum Experimentieren, Ergebnisoffenheit und Fehlertoleranz ermöglichen es der Verwaltung, auf Augenhöhe mit anderen Akteuren kreative Lösungen zu entwickeln.

In allen drei Sessions wurde ein Punkt besonders deutlich: Nach Jahrzehnten der Privatisierung und Fokussierung auf die „autogerechte Stadt“ ist es an der Zeit, öffentliche Räume wiederzuentdecken und neu zu beleben. In der Diskussion gab es mehrere leidenschaftliche Plädoyers für ein Umdenken, das den öffentlichen Raum wieder als Gemeingut und Begegnungsraum begreift. Eine gemeinsam erarbeitete Priorität war die Verkehrsinfrastruktur, bei der der Fokus von der Bereitstellung von Parkflächen hin zur Schaffung von Rad- und Fußgängerinfrastruktur wechseln sollte. Räume für Kultur, Kreativität und bürgerschaftlichen Austausch sollten zudem stärker öffentlich gefördert werden. Angesichts weiterhin steigender Mieten wurde angeregt, über Maßnahmen wie eine Bodenwertabschöpfung nachzudenken, die die leistungslosen Gewinne durch Grundbesitz stattdessen der Allgemeinheit zugutekommen lassen würde. Die Auseinandersetzung um die Gestaltung und Nutzung öffentlicher Räume wird zentral für die Stadt der Zukunft sein.

 

Die Ergebnisse dieses Forums werden, zusammen mit den Erkenntnissen aus der Parallelveranstaltung in Washington D.C., die Basis für den Aufbau des transatlantischen Dialoges im Rahmen des Projekts New Urban Progress bilden.

Weitere Reflektionen des Urban Forums und Neuigkeiten zum Programm erhalten Sie über unsere Projekt-Website.

 

Das Projekt wurde durch das Transatlantik-Programm der Bundesrepublik Deutschland aus Mitteln des European Recovery Program (ERP) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

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